Erste Pläne 2013…

Die Tage sind merklich kürzer: das Training beginnt im Dunkeln und endet im Dunkeln. Wenn überhaupt, denn ehrlicherweise hatten unsere Räder in der letzten Zeit eher weniger zu tun. Alternativ gab es Krafttraining im Zuge eines Umzugs und seit Oktober klopft auch die Uni wieder an die Tür.

Der Adventskalender hat schon fast seinen ganzen Inhalt verloren, praktisch trennt uns nur noch  die Nephrologie-Klausur von den langersehnten Weihnachtstagen und ehe wir uns versehen, rutschen wir alle in das neue Jahr 2013.

Wir, Daniel und Naima, blicken mit Stolz auf ein spannendes Jahr 2012 zurück, von dem wir ohne zu Übertreiben noch unser ganzen Leben lang zehren können. Aber natürlich sind wir auch schon dabei neue Pläne zu schmieden. So werden wir am 23. Februar an der 3. Deutschen 12h Indoor-Meisterschaft in Rothenburg a.d. Fulda als Zweier-Team in der Mixed-Wertung teilnehmen.

Anfang 2012 hat Naima im Rahmen dieser Veranstaltung das erste mal auf dem Mountainbike gesessen und im Vierer-Team die Mixed-Wertung gewonnen. Auf einem Rundkurs von ca. 1,5 km Länge à 40 Höhenmetern geht es ca. 30% outdoor und 70% indoor. Und das für ganze 12 Stunden! Das Rennen hat einen familiären Charakter und erlaubt neben der Vierer- und Zweier-Team-Wertung auch Einzelstarts, 6er-Teams und jeweils eine Handicupwertung. Besonders auffallend ist, dass immer viele Sportler aus den Niederlanden dabei sind.

Transalp, die Zweite

Die Tage an unserem Transalp-Ziel waren vorbei, es ging zurück nach Hause – auch, wenn die Heimfahrt alles andere als durchorganisiert war. Wir hatten lange in Erwägung gezogen einen Busshuttle zurück nach Bayern zu nehmen. Die Preise schreckten uns ab. Erst als wir am Vortag unserer Abreise mit dem Rad testhalber nach Rovereto fuhren (und abseits vom Tourismus ein super Café mit extrem leckeren Cappuccino, Eis und Waffeln entdeckten), entschieden wir uns für die Zug-und-Radfahr-Variante: Altbekannter Anfang mit der Fähre nach Torbole und dem Rad an den Weinhängen vorbei nach Rovereto. Anschließend mit dem Zug hoch auf den Brenner. Hier stiegen wir wieder aufs Rad und fuhren unter der Europabrücke durch, bis nach Innsbruck. Hier warfen wir einen Blick auf das Goldene Dach und rollten dann der Drau folgend weiter Richtung Deutschland. Der Drauradweg war besonders in den Ortschaften leider sehr schlecht ausgeschildert, sodass wir mehrmals vom Weg abkamen. Dabei hatten wir mit mächtig Gegenwind zu kämpfen, Naima konnte sich den größten Teil aber gut hinter Daniel verstecken. Wir übernachteten in Jenbach, einem Ort in dem Daniel bereits auf einer vorherigen Transalp durchgefahren war. Am nächsten Tag sollte es mit dem Zug über Kufstein nach Göttingen gehen. Das gute Tiroler Wetter hatte uns aber in seinen Bann gezogen, sodass wir uns schnell einig waren doch noch einen weiteren Tag hier zu bleiben.

Was danach geschah…

Erstmal die Beine hochlegen und das Rad in der Ecke stehen lassen – kann man machen, muss man aber nicht. Und wir erst recht nicht, zumal die Berge rund um den Gardasee einfach viel zu verlockend sind. Daniel kennt sich in der Umgebung gut aus, deswegen stand die Tremalzo-Tour schon lange auf dem Programm. Bei seiner ersten Transalp war der Tremalzo der Schlussanstieg, bevor es dann auf einer technisch sehr anspruchsvollen Trailabfahrt hinunter bis nach Limone zur Ziellinie ging.

Die Auffahrt war angenehm, nur zu Beginn und auf einem Zwischenstück zum Lago di Ledro wurde es kurzzeitig etwas steiler. Der Anstieg zum Tremalzo führte auf einer Asphaltstraße hinauf. Oben stoppten wir auf ein kaltes Getränk, bevor es dann noch ca. 150 Höhenmeter auf Schotter hinauf ging. Und kurz nachdem wir wieder auf die Räder gestiegen waren, geschah es dann mit einem Peng und anschließendem Ziiiiiisch: Naima hatte sich einen Platten gefahren. Einen Ersatzschlauch hatten wir ja zum Glück mit. Auch als wir die Kuppe erreicht hatten, hörte der grobe Schotter nicht auf. Das bedeutete: Hintern hoch und bloß nicht noch einen Platten einfahren. Nebenbei machte uns auch die Uhrzeit ein wenig zu schaffen,denn wir wussten die Sonne würde bald hinter’m Berg verschwinden und uns im Schatten stehen lassen. Es wurde nochmal wellig, der Untergrund wechselte von Schotter auf Waldboden und wieder zurück auf Schotter. Daniel kannte die Abfahrt bis nach Riva, war sich aber nicht ganz sicher an welcher Stelle die Abzweigung Richtung Limone zu finden war. Rechterhand zeigte ein kleines handbemaltes Schild auf einen unscheinbaren Trampelpfad, angeblich Richtung Limone. Aber Daniels Erinnerung war ein deutlich erkennbarer Weg mit einer Kurve von fast 180°. Wir ignorierten das Schild und fuhren den Schotterweg weiter bergab. Nach ca. 5 Minuten Fahrtzeit kehrten wir aber doch um. War der Trampelpfad doch der richtige Weg gewesen? Der Weg war aber wirklich sehr klein und mit Dornenbüschen zugewachsen. Keine 50 Meter schoben wir unsere Räder hier hinein, bevor wir uns doch wieder für den Schotterweg entschieden. Im schlimmsten Fall wären wir zurück nach Riva gefahren und dann mit der Fähre über den See. Erstmal ging es dann wieder auf altbekannter Schotterstrecke zurück. Und keine 2 Minuten von unserem Umkehrpunkt entfernt, kam dann auch eine 180 Grad Abzweigung. Erleichterung! Der Trail wurde schnell sehr anspruchsvoll. Einige Stücke waren noch gut fahrbar, andere waren voll mit großen Steinen. Dann gab es einen Abschnitt mit vielen kleinen engen Serpentinen. Daniel fuhr gekonnt um die Kurven, indem er in der Kurve kurz die Balance hielt und sein Hinterrad durch einen kleinen Sprung in die neue Richtung positionierte. Naima konnte das nicht, aber immerhin durchfuhr sie stolz zwei der vielen Kurven. Die Höhenmeteranzeige verriet, dass es noch ein weiter Weg bis zur Dusche sei. Noch knapp 1000 Höhenmeter. Aber der Weg war sehr steil und beim nächsten Draufgucken waren es nur noch 600 Höhenmeter, dann nur noch 300. Die Bremsen waren strapaziert, der Geruch verriet es eindeutig. Schließlich kamen wir in Limone an, Duschen und Abendessen erwarteten uns schon.

Folgen einer Transalp

Nicht nur die Folge einer Transalp mit über 600 Kilometern und 21.000 Höhenmetern, sondern auch der Grund, warum Daniel vor und an Tag 1 der Alpenüberquerung solche Probleme mit seinem Ventil am Hinterrad hatte: ein kleiner Haarriss in der Felge, der an der Ventilöffnung für Luftdurchlass sorgte, und sich jetzt – zum Glück – nach der Transalp bei neuerlichem Test der Felge und Bereifung zu diesem Riss vergrößerte:

Nachtrag zu den Etappen Imst – Ischgl – Nauders

Enttäuschender Stopp in Imst, dafür umso schöner in Ischgl

Soeben kommen wir von der Pasta-Party. Gestern hatte die Organisation des Etappenortes Imst doch ziemlich zu wünschen übrig gelassen hat. Dort gab es erstmal viel zu wenig Kärcher für den Bike-Wash und die Wartezeit belief sich auf über einer Stunde… Und nach fast 6 Stunden Fahrt im Matsch kann man sich definitiv Besseres vorstellen.

- Zwei Dreckspätze auf den letzten Kilometern nach Imst -

Das Camp mit Taschen und Duschzeugs war auch viel zu weit ab vom Schuss, ein Shuttleservice brachte uns in die 3 Kilometer entfernte Schulsporthalle. Die Taschen lagen schon dicht gedrängt aneinander, umso kuscheliger wurde es, als jeder sein Schlafgemach herrichtete. Das Wetter hatte seine Spuren hinterlassen: auf unserer Kleidung im schicken Grau. Tatsächlich war das Weiß unserer Trikots nur noch entfernt zu erkennen, ergo: Waschen und Schrubben, wie zu Uromas Zeiten. Vorher aber duschen, darauf hatte sich Naima eigentlich schon bei der ersten Regendurchahrt gefreut. Und nun eine Aufgabe an die Mathe-Cracks: 300 Menschen wollen 5 Minuten duschen, bei einem Wasserverbrauch von 10 L/min. Der Boiler fasst jedoch nur 2000 Liter. Wieviele müssen kalt duschen? Viele, das sollte jedem sofort klar sein. Abgesehen davon gab es ganze 8 Duschen für alle (!) und die netten Campbuddies haben natürlich nicht nur 5 Minuten das warme Wasser laufen lassen. Ganz klar: unvorhersehbar für jedwede Organisation – nicht! Nach der Dusch- und Waschaktion ging es zum Abendessen, 15 Minuten Fußmarsch für über 2 Kilometer pro Weg, Höhenmeter inklusive, sollten auch kein Problem sein, wir sind ja schließlich Sportler. Aber Sportler essen ja auch Nudeln, nur dumm, wenn die nicht zu genüge da sind und der Koch mit Naimas Satz “Ich hätte gerne etwas vegetarisches” total überfordert ist. Für die Nudeln gab es nämlich nur eine einzige Pfanne, mit einer kleinen dünnen Abtrennung in der Mitte. Rechts die Nudeln mit Fleisch, links ohne. Aber es schwappte eh alles hin und her. Nachtisch und Salate waren schon alle. Für die Vegetarier unter uns gab es dann – irgendwann, nach längerer Wartezeit und mehreren Anläufen – Nudeln pur. Der Hunger war aber schon weg.
Auch am nächsten Morgen war Imst wieder total überfordert: “Aber die Sportler sollten doch erst um 7 kommen”. Ja, genau. Vor allem, wenn diese Distanzen zwischen allen Locations liegen. Und kleiner Tipp am Rande: Viele Menschen mögen Kaffee, der braucht auch meist etwas Zeit und man sollte ihn anfangen zu kochen, bevor die ersten 10 Liter alle sind. Außerdem sollte mehr als nur zwei Scheiben Käse pro Sportler einberechnet werden!

Endlich in Ischgl

Genug der Meckerei, jetzt sind wir in Ischgl und hier klappt alles wunderbar. Die Etappe startete mit einer kleinen Streckenänderung. Hatte Daniel noch davon erzählt vor einer Bahnschranke warten zu müssen, ging es gleich durch den Matsch am Ort vorbei. Déjà vu! Der erste Anstieg kam sehr schnell. Es dauerte nicht lang und der Belag wechselte von Asphalt auf Schotter; das bedeutete, dass wir schon gut ein Drittel des ersten Berges geschafft hatten. Wir wussten, dass die Etappe mit fast 80 Kilometerrn und 3274 Höhenmetern lang werden würde und achteten bewusst auf unseren Puls. So ging es erstaunlich gut voran und hier und da konnte sogar die schöne Landschaft bewundert werden. Der zweite Berg kam auch erstaunlich schnell. Berg Nummer 3 war inklusive Abfahrt nach 60 Kilometern geschafft, aber es fehlten noch einige Höhenmeter auf dem Tacho. Der letzte Abschnitt war extrem wellig und zog sich sehr lang. Und dann irgendwann waren wir endlich hier in Ischgl.
Wir übernachten in einer Tennishalle, unser Schlafplatz ist im linken Teefeld von Platz 3, Naïma fühlt sich sehr heimisch (Geruch von Granulat) und hätte am liebsten die Tennisschläger ausgepackt, wenn die Taschen doch nur größer wären.

Vom Schnee zum Sonnenschein – auf nach Nauders

Die dritte Etappe führte uns einmal kurz in die Schweiz und dann wieder zurück ins österreichische Nauders. Der Hammer kam gleich zu Beginn: ein schrecklich langer Anstieg, hoch zum Idjoch und höher zur Idalpe. Die Wettervorhersage hatte Sonne versprochen. Beim Start war davon aber noch nichts zu sehen. Stattdessen wurde uns per Lautsprecherdurchsage die Strecke schmackhaft gemacht: “Auf dem Berg gibt es Schneefall bei -2 Grad Celsius.” Nur gut, dass wir in der Hoffnung auf Sonnenschein das wärmende Melkfett in der Tasche gelassen hatten. Genauso wie die Beinlinge. Im Startblock gab es dann die ersten Sprüche: “Wenn ich euch sehe, friert es mich ja noch mehr!” und “Habt ihr nichts zum Anziehen? Wir haben alles angezogen, was wir dabei haben.” Die ersten Meter waren saukalt. Aber es ging ja bergauf und gleich zum Anfang gab es eine steile Schiebepassage mit sehr weichem Untergrund. Hinter einem kleinen Bach ging es dann weiter auf dem Rad. Einige Teams führen einfach quer durch das Steinbett und nahmen die nassen Füße in Kauf. Darunter auch einige Mixedteams, die sich so schnell einen Vorsprung uns gegenüber verschaffen konnten. Naima schaffte es den Berg am Stück bis zur Spitze zu fahren. Ok, zugegeben, es gab ein bisschen Schiebehilfe von Daniel. Aber Hauptsache nicht abgestiegen. Olé! Die Abfahrt war lang, anfangs auch kalt, aber das nasse Wetter sollte uns dann auch erstmal in Ruhe lassen und wir fuhren tatsächlich in die Sonne.

Am letzten Anstieg fuhren wir noch an einige andere Teams der Mixed-Wertung heran, entschieden uns aber dafür auf unser eigenes Tempo zu bauen. Erst zum Schluss konnten wir uns deutlich absetzen und sogar noch in der letzten Abfahrt mit knackigem Schlussanstieg in den Zielort hinein einen Platz gut machen. Überglücklich kamen wir ins Ziel.
Zur Pasta-Party ging es etwas raus aus dem Ort und per Gondel hoch in die Berge. Im Nachtquartier waren wieder Matratze an Isomatte und Schlafsack gequetscht. Wir waren beide ziemlich angestrengt und ausgelaugt, Schlaf war dringend nötig. Naima hatte immer noch mit ihrer Erkältung zu kämpfen, bei dem bisherigen Sauwetter auch kein Wunder. Daniel war auch etwas angeschlagen. Die Strapazen und das launische Wetter hatten ihre Spuren gelassen, viele Campteilnehmer waren am Schniefen. Besonders schön: Duschgelegenheiten und Frühstück gab es für uns im 4 Sterne Hotel Tiroler Hof.

Endspurt nach Riva

Und hier noch einmal unsere letzte Etappe im Überblick:

Auch in Madonna di Campiligo waren der Start-Zielbereich und das Camp nicht weniger als 2 Kilometer voneinander entfernt. Das Camp war in einem Parkhaus einer Skigondelstation aufgebaut und die Duschhäusschen erreichte man nur über einen 200 m langen Schotterweg. Schnell sprach sich rum: das Wasser ist eiskalt. Na Super, im Falle einer Warteschlange könnte man also auch auf den kleinen Bergbach ausweichen. Glücklicherweise war das Wasser aber doch nicht eisig, sondern nur kalt.

Die Pasta-Party hatte für Vegetarier nicht besonders viel zu bieten. Ein zweiter Mini-Löffel Kartoffelbeilage wurde Naima erst zweimal verneint, dank einer italienisch sprechenden Frau gab es dann aber doch Erbarmen für das sonst leere Plastiktablett. Anschließend machten wir uns nochmal auf Richtung Zentrum. Als wir Daniels Scale vom Scottstand abholten, fing es böse an zu regnen und zu gewittern.
Genau über unserem Nachtlager hing eine riesig große Neonlampe. Und aus irgendeinem Grund wurde genau diese um 22 Uhr nicht ausgeschaltet. Nachdem wir dann auch den zuständigen Einheimischen erklärt hatten, dass Dunkelheit, Schlaf und Regeneration ein gut funktionierendes Trio darstellen, machten sich vier Italiener auf die Suche nach einem Lichtschalter – ohne Erfolg. Schließlich hieß es, die Lampe sei ein Nachtlicht und würde vermutlich in einer Stunde von alleine ausgehen. Mit Glück. Auf jeden Fall eine interessante Einstellung, denn am nächsten Morgen ging das Licht pünktlich um 6:09 Uhr wieder an.
Das Frühstück war grausam. In einer instabilen Plastikschüssel wurde ein viel zu süßes Kaffeegemisch reingekellt, wir tippen auf eine Pulvermixtur. Messer und Butter gab es nicht, die Brötchen sollten wohl in die 5 ml Honig eingetunkt werden.
Die Wetterprognose hatte sich ein wenig gebessert, womöglich hatte sich in der Nacht schon alles abgeregnet. Die Regenjacke blieb also in der Transalptasche, dafür gab es dick Melkfett auf die Beine. Im Startblock angekommen, fing es natürlich doch wieder an zu regnen.
Und dann ertönte wieder “Highway to Hell”, ein letztes mal. Dann kam der Startschuss und es ging los, auf die letzte Etappe unseres Transalpabenteuers. Nur noch 75 Kilometer und 1900 Höhenmeter bis nach Riva.
Die Strecke führte durch viele kleine Straßen des Startortes, man bekam das Gefühl jede Gasse mindestes einmal abgeklappert zu haben. Schon anfangs war das Tempo recht hoch. Die Fahrer waren alle dicht beieinander gedrängt und zwischendurch musste immer wieder runtergebremst werden, damit die alle die 1 Meter breiten Engstellen passieren konnten. Nach 15 Kilometer Abfahrt kam der erste Berg von knapp über 1000 Höhenmetern. Wir kamen gut voran. Währenddessen wurde der Regen immer stärker. Hier hätte man jetzt Bestens duschen können. Dazu gesellten sich Blitz und Donner. Der Tacho zeigte schon 600 gefahrene Höhenmeter an, bald musste die erste Verpflegungsstation kommen. Die Blitze wurden immer mehr und immer heller. Wir sorgten uns ein wenig um unsere Sicherheit und zählten die Sekunden bis zum Donner. Wir dachten sogar schon, dass die Etappe verkürzt werden würde. Nichts da. Dann ging es bergab, erst auf einem Höhenweg, dann auf groben Schotter. Die Waden schmerzten und waren kurz davor zu krampfen, der ganze Körper war am Zittern. Auf der Abfahrt konnten wir uns von einigen Mixedteams, die sich mit uns den Berg hochgequält hatten, gut absetzen. Nach gut 30 Minuten kalter Abfahrt wurde die Strecke wieder flacher. Auch auf der Straße konnten wir nochmal gut Tempo machen, zumal sich die Waden sehr über ein bisschen Bewegung freuten. Bei Kilometer 50 wartete die zweite Verpflegung und gleich danach erschloss sich der nächste, bzw. der letzte Berg mit seinen ca. 600 Höhenmetern. Naïma wollte durchfahren, konnte aber nicht auf das kleine Blatt schalten: der Umwerfer war blockiert, Steine hatten sich in der Abfahrt darin festgesetzt. Schnell wurden die Räder getauscht. Naïma fuhr langsam in den Berg, Daniel kümmerte sich erstmal um Kuchen und Mechanik. Die Zeit verging, die restlichen Kilometer schrumpften. Aber Daniel kam einfach nicht nach. Jetzt waren schon zehn einsame Kilometer vergangen. Ein auffahrender Biker meinte, Daniel wäre nicht sicher, ob Naïma wirklich noch vor ihm sei und er beim Aufholen einfach zu schnell an ihr vorbei gesaust kam. Naïma rief einen begleitenden Motorradfahrer zu sich und bat ihn zurückzufahren und Bescheid zu geben. Kurze Zeit später kam eine lange Schiebepassage, hier fuhr der Motorradfahrer von hinten wieder auf gab sein “Ok. Alles gut, fahr weiter”. Das Stück Trail danach war sehr wurzelig, es folgte noch ein schlammiges Schiebestück, dann ging’s bergab im Trail. Die ersten Kurven waren noch gut fahrbar, dann wurde es aber immer steiniger. Die Leute schoben ihre Räder runter, hier zu fahren würde höchstens zu Rahmen- und Knochenbrüchen führen. Und Daniel war eh immer noch nicht da. Rechts versucht sich jemand fahrend durch den Trail zu quälen, machte er aber eine unliebsame Begegnung mit einem großen Stein und schob dann doch brav sein Rad hinunter. Der Trail führte auf einen schmalen Pfad. Dann wurde der Untergrund wieder asphaltiert. Noch 7 Kilometer bis zum Ziel. Immer noch kein Daniel. Es ging viele kleine Serpentinen hinunter, Daniels Scale ließ sich toll fahren. Vor allem der schmale Lenker war sehr angenehm. Im Tal angekommen, ging es auf normalen Straßen Richtung Riva. Und dann, endlich, kam Daniel! Auch er hatte sich Sorgen gemacht! Wie sich später herausstellte, gab es einige Fehlinformationen von Mitfahrern und auch dem (!) Motorradfahrer. Aber jetzt hatten wir uns endlich wieder! Daniel trat nochmal ordentlich in die Pedalen, sodass Naïma Mühe hatte dahinter im Windschatten zu bleiben. Es ging noch an einigen Kreiseln vorbei, über eine kleine Brücke und schließlich herunter von der Straße auf ein Parkgelände. Dann wurden die Banden sichtbar, die Transponder lösten ihren Piepton aus und der Zielbogen war vor uns! Hand in Hand erreichten wir das Ziel der Transalp Challenge.

Ein letztes Mal!

Nachdem wir heute ein letztes Mal um 6 Uhr aufstehen mussten, steht heute die letzte der acht Etappen an. Von Madonna di Campiligo geht es endlich nach Riva del Garda. Dabei sind noch einmal 70 Kilometer und 1.800 Höhenmeter zu bewältigen. Pünktlich vor dem Start setzt der erwartete Regen ein. Noch nur ein Nieselregen, mal sehen wie sich das entwickelt. Die ersten 15-20 Kilometer der heutigen Etappe sind erst einmal neutralisierte Abfahrt – es wird kalt werden.
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Das einzig gute am letzten Camp war das gebotene Panorama. Die Unterbringung war gelinde gesagt mangelhaft. Parkhaus. Kalt. Nachtlicht, das nicht abschaltbar war. Kalte Duschen, die nur über Schotterwege zu erreichen waren. Pasta Party, die nicht schmeckt, Vegetarier kennen die Italiener auch nicht. Frühstück in Parkebene 2 bei gefühlten Minusgraden.

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Achja, das Frühstück? Quasi nicht existent. Dazu Kaffee in einer Suppenschale – naja also immerhin nicht nur 0,1L wie gestern. Und ist ja wenigstens das letzte Mal.

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Das waren die vorletzten Höhenmeter

Alle hatten gesagt, das Team, das den fünften Tag, die Königsetappe mit 107 Kilometern und 3500 Höhenmetern schafft, das ist schon so gut wie in Riva. Naïma hatte da ein bisschen gezweifelt. Jeder einzelne Meter in die Vertikale hatte weh getan, und nach all den Blessuren auch im Trail oder auf groben Schotterabfahrten. Für den heutigen Tag hatten sich die Sprüche wiederholt: Steht man heute durch, ist Riva vor der Tür. Auf dem Programm standen nur 73 Kilometer, aber wieder ein ganzer Batzen Berge, nämlich 3300 Höhenmeter. Nach 2 Kilometern Abfahrtfahren im Pulk ging es noch in Ponte di Legno in den ersten Anstieg von 1200 Höhenmetern. Die Strecke schlängelte sich den Berg empor, nicht besonders motivierend, wenn man noch weiter unten beschäftigt ist. Naïma musste zwischendurch absteigen, die Prellungen (Doc hatte sogar auf Muskelfaserriss getippt, hoffen wir mal, dass er falsch liegt) am Rücken machten sich bemerkbar. Daniel übernahm immer wieder Naimas Rad undschob beide Räder die Schiebepassagen hinauf, manchmal gehend, manchmal fahrend. Die Zeit rannte förmlich dahin und die Kilometer wollten einfach nicht mehr werden. Als endlich das Ende des Anstiegs in Sicht war und der weitere Verlauf in einen Trail führte, erwartete uns dort eine lange Menschenschlange und es musste sogar teilweise geschoben werden. Der Weg hoch war schrecklich hart. Wir entschlossen uns kleine Pausen einzulegen, damit sich Naima etwas ausruhen konnte. Dabei liess sich dann auch das Panorama prächtig bewundern. Irgendwo bei Kilometer 30 wurde die erste Verpflegungsstation erwartet. Höchst sehnsüchtig. Bei Kilometer 28 kam dann ein lautes Fluchen von Daniel. Das Vorderrad war platt. Daniel drehte das Rad und hoffte, dass die Milch das Loch schließen würde. Keine Chance. Also Schlauch rein. Es dauerte eine Weile, dann ging es weiter bergab auf Schotter. Einen Kilometer später: wieder Fluchen von Daniel. Wieder Platten.
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So dauerte es wirklich eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich die Verpflegung erreichten. Die Laune war etwas im Keller – um es vorsichtig auszudrücken. Die nächsten Kilometer rollten sich glücklicherweise schnell bergab. Ein kleiner Huckel von 500 Höhenmetern versperrte den Weg zur zweiten Verpflegungsstation bei Kilometer 50. Jetzt war schon der Großteil geschafft! Aber wir, naja, vor allem Naima, waren auch schon etwas geschafft. Der letzte Anstieg von über 1000 Höhenmetern gliederte sich in drei Abschnitte. Das Runterzählen machte es erträglicher. Und dann, irgendwann, konnten auch die Kilometer rückwärts gezählt werden. Noch 7 Kilometer. Eigentlich doch nur noch bergab. Oder? Die Höhenmeteranzeige war anderer Meinung. Wieso nur? Aber manchmal irrt sie sich ja. Diesmal nicht. Es ging nochmal ein Stück hinauf. Und an der vermeintlichen Kuppe angekommen, ging der Weg noch weiter in die Höhe. Dann endlich ging es bergab in den Trail. Noch 5 Kilometer. Und dann? Matschepampe! Aber was für eine! Die Füße waren komplett versunken. Und die Sumpfoase war über einen Kilometer lang.
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Noch 3 Kilometer. Jetzt kann doch gar nichts all zu schlimmes mehr kommen. Surprise, surprise, nochmal ein kurzer knackiger Anstieg auf grobem Schotter. Naima versuchte sich hoch zu kämpfen. Allerdings hatte sie mal wieder mit dem Schlimmsten gerechnet, mehr und mehr Anstieg. Daniels Zuruf, dass es doch gleich zu Ende sei, kam eine Millisekunde zu spät. Sie war schon abgestiegen. Naja, dann wieder gleich zurück hopp auf’s Rad – der Rücken schmerzt ja auch nicht… Dann ging’s die Skipiste hinunter, einen Schotterweg entlang und nochmal in einen kleinen Trail. Und schwups, ehe man sich versah, waren wir dann doch endlich im Zielort. Jetzt nur noch einmal wach werden und einmal quälen.

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