Enttäuschender Stopp in Imst, dafür umso schöner in Ischgl
Soeben kommen wir von der Pasta-Party. Gestern hatte die Organisation des Etappenortes Imst doch ziemlich zu wünschen übrig gelassen hat. Dort gab es erstmal viel zu wenig Kärcher für den Bike-Wash und die Wartezeit belief sich auf über einer Stunde… Und nach fast 6 Stunden Fahrt im Matsch kann man sich definitiv Besseres vorstellen.
- Zwei Dreckspätze auf den letzten Kilometern nach Imst -
Das Camp mit Taschen und Duschzeugs war auch viel zu weit ab vom Schuss, ein Shuttleservice brachte uns in die 3 Kilometer entfernte Schulsporthalle. Die Taschen lagen schon dicht gedrängt aneinander, umso kuscheliger wurde es, als jeder sein Schlafgemach herrichtete. Das Wetter hatte seine Spuren hinterlassen: auf unserer Kleidung im schicken Grau. Tatsächlich war das Weiß unserer Trikots nur noch entfernt zu erkennen, ergo: Waschen und Schrubben, wie zu Uromas Zeiten. Vorher aber duschen, darauf hatte sich Naima eigentlich schon bei der ersten Regendurchahrt gefreut. Und nun eine Aufgabe an die Mathe-Cracks: 300 Menschen wollen 5 Minuten duschen, bei einem Wasserverbrauch von 10 L/min. Der Boiler fasst jedoch nur 2000 Liter. Wieviele müssen kalt duschen? Viele, das sollte jedem sofort klar sein. Abgesehen davon gab es ganze 8 Duschen für alle (!) und die netten Campbuddies haben natürlich nicht nur 5 Minuten das warme Wasser laufen lassen. Ganz klar: unvorhersehbar für jedwede Organisation – nicht! Nach der Dusch- und Waschaktion ging es zum Abendessen, 15 Minuten Fußmarsch für über 2 Kilometer pro Weg, Höhenmeter inklusive, sollten auch kein Problem sein, wir sind ja schließlich Sportler. Aber Sportler essen ja auch Nudeln, nur dumm, wenn die nicht zu genüge da sind und der Koch mit Naimas Satz “Ich hätte gerne etwas vegetarisches” total überfordert ist. Für die Nudeln gab es nämlich nur eine einzige Pfanne, mit einer kleinen dünnen Abtrennung in der Mitte. Rechts die Nudeln mit Fleisch, links ohne. Aber es schwappte eh alles hin und her. Nachtisch und Salate waren schon alle. Für die Vegetarier unter uns gab es dann – irgendwann, nach längerer Wartezeit und mehreren Anläufen – Nudeln pur. Der Hunger war aber schon weg.
Auch am nächsten Morgen war Imst wieder total überfordert: “Aber die Sportler sollten doch erst um 7 kommen”. Ja, genau. Vor allem, wenn diese Distanzen zwischen allen Locations liegen. Und kleiner Tipp am Rande: Viele Menschen mögen Kaffee, der braucht auch meist etwas Zeit und man sollte ihn anfangen zu kochen, bevor die ersten 10 Liter alle sind. Außerdem sollte mehr als nur zwei Scheiben Käse pro Sportler einberechnet werden!
Endlich in Ischgl
Genug der Meckerei, jetzt sind wir in Ischgl und hier klappt alles wunderbar. Die Etappe startete mit einer kleinen Streckenänderung. Hatte Daniel noch davon erzählt vor einer Bahnschranke warten zu müssen, ging es gleich durch den Matsch am Ort vorbei. Déjà vu! Der erste Anstieg kam sehr schnell. Es dauerte nicht lang und der Belag wechselte von Asphalt auf Schotter; das bedeutete, dass wir schon gut ein Drittel des ersten Berges geschafft hatten. Wir wussten, dass die Etappe mit fast 80 Kilometerrn und 3274 Höhenmetern lang werden würde und achteten bewusst auf unseren Puls. So ging es erstaunlich gut voran und hier und da konnte sogar die schöne Landschaft bewundert werden. Der zweite Berg kam auch erstaunlich schnell. Berg Nummer 3 war inklusive Abfahrt nach 60 Kilometern geschafft, aber es fehlten noch einige Höhenmeter auf dem Tacho. Der letzte Abschnitt war extrem wellig und zog sich sehr lang. Und dann irgendwann waren wir endlich hier in Ischgl.
Wir übernachten in einer Tennishalle, unser Schlafplatz ist im linken Teefeld von Platz 3, Naïma fühlt sich sehr heimisch (Geruch von Granulat) und hätte am liebsten die Tennisschläger ausgepackt, wenn die Taschen doch nur größer wären.
Vom Schnee zum Sonnenschein – auf nach Nauders
Die dritte Etappe führte uns einmal kurz in die Schweiz und dann wieder zurück ins österreichische Nauders. Der Hammer kam gleich zu Beginn: ein schrecklich langer Anstieg, hoch zum Idjoch und höher zur Idalpe. Die Wettervorhersage hatte Sonne versprochen. Beim Start war davon aber noch nichts zu sehen. Stattdessen wurde uns per Lautsprecherdurchsage die Strecke schmackhaft gemacht: “Auf dem Berg gibt es Schneefall bei -2 Grad Celsius.” Nur gut, dass wir in der Hoffnung auf Sonnenschein das wärmende Melkfett in der Tasche gelassen hatten. Genauso wie die Beinlinge. Im Startblock gab es dann die ersten Sprüche: “Wenn ich euch sehe, friert es mich ja noch mehr!” und “Habt ihr nichts zum Anziehen? Wir haben alles angezogen, was wir dabei haben.” Die ersten Meter waren saukalt. Aber es ging ja bergauf und gleich zum Anfang gab es eine steile Schiebepassage mit sehr weichem Untergrund. Hinter einem kleinen Bach ging es dann weiter auf dem Rad. Einige Teams führen einfach quer durch das Steinbett und nahmen die nassen Füße in Kauf. Darunter auch einige Mixedteams, die sich so schnell einen Vorsprung uns gegenüber verschaffen konnten. Naima schaffte es den Berg am Stück bis zur Spitze zu fahren. Ok, zugegeben, es gab ein bisschen Schiebehilfe von Daniel. Aber Hauptsache nicht abgestiegen. Olé! Die Abfahrt war lang, anfangs auch kalt, aber das nasse Wetter sollte uns dann auch erstmal in Ruhe lassen und wir fuhren tatsächlich in die Sonne.


Am letzten Anstieg fuhren wir noch an einige andere Teams der Mixed-Wertung heran, entschieden uns aber dafür auf unser eigenes Tempo zu bauen. Erst zum Schluss konnten wir uns deutlich absetzen und sogar noch in der letzten Abfahrt mit knackigem Schlussanstieg in den Zielort hinein einen Platz gut machen. Überglücklich kamen wir ins Ziel.
Zur Pasta-Party ging es etwas raus aus dem Ort und per Gondel hoch in die Berge. Im Nachtquartier waren wieder Matratze an Isomatte und Schlafsack gequetscht. Wir waren beide ziemlich angestrengt und ausgelaugt, Schlaf war dringend nötig. Naima hatte immer noch mit ihrer Erkältung zu kämpfen, bei dem bisherigen Sauwetter auch kein Wunder. Daniel war auch etwas angeschlagen. Die Strapazen und das launische Wetter hatten ihre Spuren gelassen, viele Campteilnehmer waren am Schniefen. Besonders schön: Duschgelegenheiten und Frühstück gab es für uns im 4 Sterne Hotel Tiroler Hof.
